Donnerstag, 17. November 2011

PHILOSOFIE EINES KRÄMERLADENS



Allgemeines


Obige Bilder geben ungefähr eine Vorstellung wie mein Krämerladen aussieht. Er hat 50 qm Grundfläche und einen kleinen Lagerraum von 12 qm. Unser Sortiment enthält etwa 300 Artikel. Von der Ananas bis zur Zahnbürste. Eben was man in unserer Gegend so braucht. Ausser der Kühlvitrine und den zwei Eisschränken mit Glastüren haben wir noch zwei Tiefkühltruhen mit je 300 Liter Fassungsvermögen, tropengeeignet. Die eine wird für Fleisch ungefähr bei 5 Grad minus gehalten und die andere ist für Gefriergeflügel die auf 30 Grad minus eingestellt ist. Dazu haben wir noch zwei grosse Haushaltskühlschränke mit separatem Tiefkühlfach wo wir Wasser in kleinen Plastikbeutel einfrieren das auch zum Verkauf bestimmt ist. In dem Kühlteil der Eisschränke bewahren wir Gemüse auf. Ich muss daran erinnern, dass wir in einer warmen Klimazone leben. In Deutschland könnte man einen Krämerladen mit weniger Kühlmöglichkeiten ausstatten. Was dem Geldbeutel gut tun würde.

Natürlich ist die Konkurrenz der grossen Supermärkte sehr gross. Was uns zur Aufgabe unseres Krämerladens bewegte. Denn unser Umsatz ist sehr stark eingebrochen. Aber trotzdem haben wir uns wieder entschlossen, trotz dass wir noch andere Einkommenquellen haben, den Laden wieder zu beleben. Unser Umsatz ist inzwischen so hoch, dass eine kleine, schuldenfreie Familie mit eigenem Häuschen und Geschäftsräumen davon leben könnte. Genügsamkeit vorausgesetzt.

Wir haben täglich von 7 Uhr morgens bis 22 Uhr abends geöffnet. Mit einer ausgiebigen Siestazeit von 12 Uhr bis 16 Uhr. Manchmal übernimmt jemand von der Familie den Verkauf wenn meine Frau und ich auch einmal entspannen wollen. Allerdings ist die Arbeit mit der Despensa (Krämerladen) nicht gerade allzu stressig. Manches wird angeliefert, wie Getränke, Milch- und Backprodukte und sonst noch so ein paar Kleinigkeiten. Den Rest kaufen wir im Grosshandel mit unserem Geländewagen ein. Unsere Zufahrtsstrassen sind jedoch inzwischen asphaltiert. Aber unser Isuzu-Lastenpferd ist robust und stark und wir haben für grössere Sachen einen Anhänger und deshalb wird er nicht aufgegeben.

Unsere Kalkulation für die Verkaufspreise ist etwa die der hiesigen Supermärkte. Verderbliche Lebensmittel werden mit 20 % Gewinnspanne verkauft. Haltbare Lebensmittel mit 30% und sonstiger Bedarf wie Schulartikel, verschiedene freie Arzneimittel und Waschmittel sowie Wäscheklammern und Körperpflegemittel usw. mit 50 %. Die meisten anderen Krämerläden machen Phatasiepreise weil sie das Kalkulieren nicht verstehen. Und das ist natürlich für uns ein Vorteil. Bildung ist eben doch etwas wert!

Jetzt zu Deutschland


In Deutschland können Krämerläden in Wohngebieten durchaus noch laufen. Reich kann man  allerdings damit nicht werden. Dort sind die Ladenöffnungszeiten den Deutschen Verhältnissen anzupassen. Zum Beispiel Wochentags von 7 Uhr bis 12 Uhr und dann von 15 Uhr bis 19 Uhr. Das genügt vollkommen. Samstags dann von 7 Uhr bis 12 Uhr und Sonntags und Feiertags geschlossen. Das würde für ein stressfreies Geschäftsleben sorgen. Und deswegen ist ein Krämerladen insbesondere auch für ältere Personen geeignet. Die Preiskalkulation müsste dann den Deutschen Begebenheiten angepasst werden. Dabei braucht man allerdings keine Aldi-Preise anstreben. Denn mit den Discountern kann man sowieso nicht mithalten. Also sich an die Preise von gehobenen Lebensmittelketten anpassen. Bei den Preisen bei der Metro-Grosshandelskette und den Unterschied zu den Preisen von gehobenen Lebensmittelläden kann man so ungefähr seine Gewinnspanne herausfinden.

Seine Einrichtung kann man in Deutschland ohne weiteres gebraucht anschaffen wenn das Startkapital gering ist. Bankkredite möglichst vermeiden. Billige Handwerker sucht man sich in der Nachbarschaft. Wie, habe ich da etwa das Wort "Schwarzarbeit" vernommen? Aber nicht doch. Es gibt keine Schwarzarbeit sondern nur Arbeit die nicht schändet. Arbeit ist ehrlich verdientes Brot. Und sonst gar nichts!

Und jetzt ein paar Gedankengänge


Wenn jemand an eine selbstständige Arbeit denkt dann hat er als erstes das Geld im Kopf. Ich habe zuerst meine Selbstverwirklichung im Kopf. Und da wir noch in einem Geldbetrugssystem leben muss auch ich natürlich sekundär an den Lebensunterhalt denken den ich immer noch mit Falschgeld bestreiten muss. Nun ja, ich kann mich anpassen und habe doch Abstand von dem Geld. Aber nicht von meinem Erstreben nach materiellem Wohlstand. Das ist der Unterschied von Geldköpfen und materieller Denkweise. Ich habe zwar kein Geld aber etwas reales aufgebaut um mein Leben so gut es geht bequem zu haben. Perfekt ist allerdings noch nicht alles. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut.

Es gibt Geschäftsfelder die sind relativ risikolos. Und dazu gehört eben der Lebensmittelhandel. Denn Lebensmittel kann man immer verkaufen. Sie braucht man eben zum leben. Ich habe diesen Satz geschrieben, obwohl er eigentlich selbstverständlich ist. Wirklich? Warum dann lassen sich so viele Krämer entmutigen wenn in seiner Gegend ein Supermarkt aufmacht? Auch ich habe hingeschmissen! Aber nach vielen Überlegungen bin ich doch zu der Erkenntnis gekommen, dass man zwar weniger mit einem Supermarkt in der Nähe verdient, aber trotzdem noch genug um seine Haushaltskasse zu verbessern. Ausserdem profitiert man dann permanent von den Grosshandelspreisen. Auch dies muss man beachten. Es ist ein indirekter Gewinn.

Als zweites beachtenswertes Zugewinnprodukt sind meine Aktivitäten in Hinsicht Legehühner und einen Gemüsegarten. Denn diese Produkte, Eier und Gemüse, kann ich in meinem Krämerladen verkaufen und gewinne gleich doppelt. Als Produzent und als Händler. Auch Kleinvieh macht Mist. Diese Dinge summieren sich. Dies ist in Deutschland nicht immer möglich. Aber man kann sich mit einem Bauern zusammentun und seine gesunden Bioprodukte verkaufen. Ja, es gibt viele Möglichkeiten um neben den Supermärkten eine Nische aufzumachen. Die Griechen mit ihren Gemüse- und Obstläden machen es vor. Wie gesagt, reich wird man nicht davon. Höchstens mit einer kleinen Krämerladenkette. Aber dann wird es schon stressig. Für ein gestandenes, älteres Ehepaar ist das allerdings nicht nötig. Da ist ein selbstbestimmtes und zufriedenes Leben wichtiger.

Und jetzt kommen wir zum philosofischen Teil. Etwas hochgestochen ausgedrückt.


Wo findet man mehr Zufriedenheit? In einem selbstgeführten Laden oder sonst einem Geschäft oder in einer abhängigen Arbeit oder als Sozialhilfeempfänger? Ich bin der Meinung und werde durch meine eigene Erfahrung bestätigt, dass es wohl eine selbstverantworliche Tätigkeit ist. Ich hocke abends gerne mit meiner Frau zusammen in unserem Krämerladen und manchmal gehe ich auch in einem Nebenraum und mache mich an den Computer heran. Die Abendstunden sind entspannend. Und man fühlt sich trotzdem nützlich. Denn unsere Nachbarn sind froh, dass sie wieder in der Nähe einkaufen können. Manchmal vergisst man etwas bei seinem Einkauf im Supermarkt. Manchmal sind rohe Eier oder sonstige unhandliche Dinge sehr schwer in den überfüllten Nahverkehrsbussen zu transportieren. Und manchmal ist es für ältere Personen erleichternd, wenn sie sich in der Nähe das Wichtigste einkaufen können. Geld ist für uns zwar auch wichtig. Aber unsere freie Tätigkeit ist uns auch etwas wert.

Dieses Beispiel, das ich vorzeichne, kann man auch auf andere Geschäftsfelder übertragen. Vor allem im Kleinhandel. Aber auch mit einer kleinen Landwirtschaft oder einer Fahrradreparaturwerkstatt kann man nützlich sein. Und sogar seinen Lebensunterhalt bestreiten. Und viel Startkapital braucht man in den meisten Unternehmungen auch nicht. Und so fängt das selbstbestimmte Leben an. Vorbei an den Banken. Vorbei an den Konzernen. Wenn man auch noch viele Produkte von ihnen abnehmen muss. Weil sie fast alles beherrschen. Jetzt, lieber Leser, kannst Du das Garn weiterspinnen. Allerdings geht es nicht ohne Aktiv zu werden. Alles ist eine Überwindung. Aber nimm es locker. Wenn etwas nicht so funktioniert gibt es noch viele andere Nischen. Etwa Naturyoghurt herstellen und mit Früchten versehen und an einem Marktstand verkaufen. Und wenn es nur zweimal in der Woche ist.

Man braucht kein neues Patent zu erfinden wenn es etwas an Kreativität fehlt. Man kann durchaus auch althergebrachte Kleingewerbebetriebe kopieren und so eine Lücke füllen. Man kann sein Leben und das der Nachbarschaft wieder lebenswert machen. Mit Regionalität und Dezentralität!
Es ist eine gute Art sich gewaltlos zu befreien. Beispiele setzen. Aufmerksamkeit erregen. Die Menschen lechzen förmlich nach irgendeiner Art der Befreiung.

Kommentare:

  1. Sehr schön Hans und Hut ab........(Sehr toller Laden, Klasse!!!)aber, das was Du da vorlebst mag zwar für Dein Land oder Region "noch" zutreffen, aber hier im dicht besiedelten Europa (in meinem Fall Frankreich) in BRD ist es ähnlich (war ja auch einer der Gründe warum Du Deutschland verlassen hast!)

    werden Dir einfach zu viel bürokratische Hindernisse in den Weg gelegt.

    Dein Beispiel Yogurt ........was glaubst passiert wenn man hier sowas (selbsthergestelltes) auf dem Markt verkaufen möchte, kommt sofort das Gesundheitsamt und viele andere Schmarotzer die im Auftrag der Verbrecher jedliche Eigeninitiative im Keim ersticken werden, oder Du erfüllst deren Bestimmungen, nur dann kann man es auch direkt wieder lassen, weil dann für einem selbst nichts mehr übrig bleibt (auch ohne Gierig zu sein).

    Also schöne Gedanken von Dir die Mut machen sollen, nur ist das in unserer EUDiktatur jetzt nicht mehr möglich.

    Nach dem Zusammenbruch können wir auf Deine wunderbaren und hilfreichen Gedanken wieder zurück kommen!

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  2. so ähnlich sah unser konsum (DDR-lebensmittelgeschäft aufm dorf) aus.leider gung er kaputt durch vermietergier und supermärkte.
    schön das es in frankreich sowas noch gibt.bei uns ist es fast ausgestorben.
    coerny

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  3. @ bernd,

    ja, die Bürokratie in Deutschland und Europa insgesamt. Sie hat mir drei Kleingewerbe unmöglich gemacht. Das war ja der Grund, dass ich freiwillig in das Exil gegangen bin. Da habe ich es mir mit meinem Post etwas zu einfach gemacht. Also warten bis nach dem Zusammenbruch. Wenn gesunder Menschenverstand wieder gefragt ist. Und vor allen Dingen Menschlichkeit und Ungezwungenheit.

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